Mein Leben in aller Kürze
1974 geboren
1980 Einschulung
1990 Abschluss 10. Klasse
1992 Abitur
1995 Berufsabschluss
2004 Ende des Studiums als Dipl.-Ing. (FH) der Medientechnik
2007 Chefredakteur eines Radiosenders
seit 2004 Moderator der Abendnachrichten bei TVZ
Ich sterbe im Jahre 2367 zeitgleich mit meiner Frau – wir halten uns dabei beide an den Händen. Und ein unverbesserlicher Optimist bin ich übrigens auch.
Und wer mehr über mein Leben wissen will, der muss sich schon die Mühe machen, den ausführlichen Lebenslauf zu lesen. Ich habe mir immerhin die Mühe gemacht, ihn zu schreiben.
Der ausführliche Lebenslauf von Udo Rupkalwis - mal etwas anders
Donnerstag, 17. Januar 1974
Einer der verheerendsten Schneestürme seit Tagen tobt über Deutschland. Das öffentliche Leben ist unter einer millimeterdicken Schneeschicht nahezu zum Erliegen gekommen. Einige vorbeihastende Passanten ebenfalls. Jedoch AUF der Schneedecke.
Im städtischen Krankenhaus gibt einer der Mediziner gegen 13 Uhr eine Erklärung ab: „Es ist ein Junge!“
Montag, 7. März 1977
Der kleine Udo gastiert zum ersten Mal im Kindergarten. Bereits am Ende des ersten Tages kündigen zwei der Erzieherinnen, eine weitere wendet sich hoffnungsvoll an die Gewerkschaft.
Montag, 4. September 1978
Ich komme in die Musikschule. Die Klavierlehrerin versucht zwar, mit verschiedenen Begründungen das Vorhaben zu stoppen, scheitert jedoch kläglich.
Kurz darauf gibt sie den unliebsamen Schüler an eine Kollegin ab, die von Stund an wesentlich mehr Erfolg hat. (Diese Kollegin verehre ich übrigens noch heute!)
Die spätere Ausbildung übernimmt der Jazz-Pianist Wolfgang P.
Samstag, 6. September 1980
Ich habe Schulanfang. Meine Laune strebt einem lokalen Maximum entgegen. Der Tragweite dieses Ereignisses bin ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.
Dienstag, 16. September 1980
Zeichenunterricht. Die Pädagogin Rita K. vollbringt das Unfassbare: Der bis dahin malbegeisterte Udo wird zum Gegner jeglicher Aktivitäten mit Farbe und Pinsel. K.´s Ehemann war übrigens ein angesehener und geachteter freischaffender Künstler der Region. Und ich möchte es betonen: geachtet! Nicht geächtet!
Donnerstag, 9. Mai 1985
Im Kreiskulturhaus „Karl Liebknecht“ (er war meines Wissens ein Wortkünstler) bekomme ich von nun an eine Gesangsausbildung durch den Bass-Sänger Reinhard H. Schon in der ersten Unterrichtsstunde sind meine stimmlichen Defizite klar erkennbar: ich beherrsche die tieferen Oktaven nicht annähernd so gut wie mein Lehrer. Das damalige Kreiskulturhaus ist heute übrigens unter dem Namen "Stadthalle Meerane" bekannt. Es hat die Zeit meines dortigen Wirkens offenbar gut überstanden.
Samstag, 17. Oktober 1987
Ich begleite meinen Vater auf Tournee. Während der Show sitze ich hinter der Bühne und verteile den Musikern hin und wieder Noten, die ich ja auf Grund meiner Instrumentalausbildung mittlerweile schon recht gut von Fliegendreckern unterscheiden kann.
Im zweiten Drittel des Programms klemmt ein Reißverschluss an der Garderobe meines Vaters und meine große Stunde ist gekommen. An seiner Stelle darf ich seinen kompletten (aus dem Off) gesprochenen Text darbieten. Er lautete: (schreiend) „Ooooma!“
Herbst 1989
Ich nehme an einer der Montagsdemonstrationen in Leipzig teil. Immerhin bin ich schon fast 16 und meine Stimme entsprechend kräftig. Vielleicht hört man mich ja auf einem der zahlreichen Tondokumente von damals heraus.
Montag, 3. September 1990
Ich beginne eine Berufsausbildung mit Abitur bei der Energieversorgung. Mein Ziel: Dreiphasenkasper mit Abitur. Der Traum dauert genau drei Monate – da nämlich wurde diese Ausbildungsform ersatzlos gestrichen. Somit ging es erst mal nur mit dem Abitur weiter.
Februar 1991
Der Golfkrieg tobt seit einem halben Jahr. Mit einem kleinen Kopfhörer-Radio, ein Werbegeschenk der Krankenkasse AOK (mit Werbeaufdruck), halte ich meine Abiturklasse als Berichterstatter immer auf dem neuesten Stand. Einem der Lehrer missfällt es, dass ich im Unterricht Kopfhörer im Ohr trage. Mein schlagendes Argument: "Wiebidde??? Schauen Sie: "AOK". Das ist mein Hörgerät. DAS soll ich ausschalten?" Der Lehrer lief rot an und entschuldigte sich.
Juli 1992
Nun habe ich das Abitur in der Tasche. Allerdings weiß ich bis heute nicht wozu.
September 1992
Ein weiterer Anlauf in Richtung Berufsausbildung. Diesmal bei einem großen Telekommunikations-Unternehmen, das damals noch das Netzmonopol hatte. Den Namen verrate ich selbstverständlich nicht. Datenschutz.
Frühjahr 1995
Mittlerweile darf ich mich Kommunikationselektroniker nennen. Allerdings habe ich nicht allzu viel davon, denn bei dem gleich danach beginnenden Zivildienst nützt mir dieser Titel herzlich wenig. Während dieses Dienstes lerne ich, fremde Wohnungen blitzsauber zu putzen. Wie man das in seiner eigenen Wohnung anwendet, gehörte jedenfalls nicht zum Ausbildungsprogramm. Zudem bin ich nun in der Lage, besser als jeder Soldat, militärische Meldungen abzugeben. Das jedenfalls musste ich jeden Mittag bei der feierlichen Essens-Übergabe bei dem Kriegsveteran Fritz F. tun. Er war mit mir im höchsten Maße zufrieden. Ein Zivi-Kollege von mir beherrschte den militärischen Ton offenbar nicht so, denn er bekam von Fritz F. zu hören: „Solche Flaschen wie Dich hätten sie früher in den Bau gesteckt“.
Frühjahr + 1 Monat 1996
Ich nehme einen Job als Antennenmonteur für Mobilfunknetze an. Ich muss offenbar zu viel Bedeutung in das Wort „Netz“ gelegt haben. Jedenfalls musste ich feststellen, dass man in rund 80 Meter Höhe kein Netz, sondern gerade mal einen Rettungsgurt hat. Nach der zweiten Baustelle war ich dann aber von der Höhe fasziniert. Viel kann ja auch nicht passieren, denn oben geblieben ist bisher noch keiner.
3. September 1997
Ich beginne mein Studium der Medientechnik an der FH Mittweida – University of Applied Sciences. Ich habe zwar absolut keine Ahnung was das heißt, aber der Name ist schon beeindruckend. Einige der Highlights:
- Ich als gelernter Elektroniker fliege mit Pauken und Trompeten durch die Elektronik-Prüfung, denn ich beantworte alle Fragen wie ein Praktiker („Also ich würde einen 1-Kiloohm-Widerstand nehmen. Erstens passt das in etwa, und zweitens habe ich gerade einen in meiner Kiste“). Zur Nachprüfung habe ich dann selbstverständlich einen Taschenrechner mit!
- Einer meiner Professoren (mit grässlichem sächsischen Dialekt) erzählt in einer Vorlesung von der CCITT. Als Funkamateur weiß ich natürlich, was das ausgesprochen bedeutet. Ich kann es mir nicht verkneifen, ihn vor dem Plenum zu fragen, was es denn heißt. Er quält sich halb sächsisch, halb französisch heraus: Gommidee gonsuldadief indornazjonahl de tellegrafick et dellefonick. (eigentlich: Comité Consultatif International Télégraphique et Téléphonique). Der Hörsaal kocht.
- In der Prüfung „Kommunikationstechnik“ stehe ich kurz vor dem Rausschmiss. Da mir die Elektronikprüfung gezeigt hat, dass nur absolut exakte Antworten zählen, nenne ich zusätzlich zu den benötigten Geräten auch noch deren Preise. Diese kenne ich ja noch recht gut von meiner Berufsausbildung. Ich biete in meiner Lösung ferner an, die Teile im Paket zu kaufen, da dies nochmals billiger wird. Zitat des Professors Dr. W.: „Sagen Sie mal, wollen Sie mich hier verarschen?“
- Der Physik-Professor Dr. L. ist dem Herzinfarkt nahe. Eine Truppe von Radio- und Fernsehtechnikern vor sich - und dann noch ironische Zwischenrufe am laufenden Band? Er ließ sich zu folgendem Zeitplan hinreißen: "Nächste Woche Kolloquium! 5 Gruppen á 20 Minuten. Also 10:00 Uhr, 10:20 Uhr, 10:40 Uhr, 10:60 Uhr und 10:80 Uhr." Seine Verabschiedung erstickte im Gelächter der Studenten.
Donnerstag, 28. August 2003
Ich schaffe es endlich, meine Diplomarbeit einzureichen. So etwas nebensächliches kann man schon mal vergessen, wenn man bereits arbeitet. Aber immerhin habe ich es noch rechtzeitig geschafft. Die Meinung eines Professors: „Bei Ihnen muss man ja mittlerweile in Jahrzehnten rechnen“. Meine Meinung: Hauptsache geschafft :-)
Freitag, 26. Mai 2006
Voller Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende und in einem Anflug von Übermütigkeit bezeichne ich den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart in einer Moderation bei apollo radio als den "coolsten Aufreißer von ganz Österreich". Eine entsetzte Hörerin teilt der Redaktion mit, dass sich der Komponist im Grabe herumdrehen würde. Da allerdings bis heute nicht genau geklärt ist wo Mozart beerdigt wurde, wird diese Behauptung sicher nie bestätigt oder widerlegt werden können.
Freitag, 24.04.2009
Nach vielen Monaten Lehrzeit bei einer Expertin für Animationsfilme veröffentliche ich einen Kommentar des (animierten) Zwickauer Komponisten Robert Schumann bei dem Fernsehsender TeleVision Zwickau. Da niemand genau weiß, wie Schumanns Sprache damals klang, entscheide ich mich bei der Synchronisation für unverständliches Sächsisch. Die Zahl der entrüsteten Zuschriften habe ich nicht gezählt.
Donnerstag, 30. Mai 2182
Ein Antiquitätensammler findet auf einem Dachboden eine Aircheck-CD von mir. Er bringt sie in einem alten CD-Spieler von 2057 zum Laufen. Nach einem Krampf im musculus risorius (gemeiner Lachmuskel) wird er in eine Klinik eingeliefert und verstirbt noch am Abend mit den Worten: „... und kennse DEN schon... ?“.